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In 23 Tagen wurde der Weg von Zürich über Sitten und Aosta zu den acht Gemejnden, und der Rückweg über Arona und Chur zurückgelegt; eine Eile, die, durch Amtspflichten geboten, den Verfasser ent- schuldigen wird, wenn dem sachkundigen Leser manche Lücke auffällt. « Die Hilfsmittel , die mir zur Vorbereitung offen lagen , gaben zwar mancheii guten Rath für die Reise, waren aber für meinen eigentlichen Zweck kaum in Anschlag zu bringen. Es sind folgende : 1. Saussure, gewissermassen der Entdecker des Monte-Rosa, wie manches andern Theils der wunderbaren Alpenwelt, gibt im achten Band seiner Foyages dans les Alpes (Neuchatel 1796) Nachrichten über vier jener acht deutschen Gemeinden, nemlichMacugnaga**), Alagna und die beiden Gressoney***), die er im Sommer 1789 besucht hatte. Die auffallende Erscheinung deutscher Sprache in italienischen Thälern beschäftigte ihn lebhaft: er zählt sie als die lezte der neun Eigenschaften auf, deren Vereinigung nach ihm den Monte-Rosa vor allen ihm bekannten Bergen ^} Vgl.: lieber die sogenannteii Cimbern der VII und XIII Communen auf den venediscben Alpen und ihre Sprache. Von Dr. J. A. Schmeller. (In den Abhandlungen der I. Cl. der Ak. der Wiss. IL, 3 S. 559 — 708.) Diese Arbeit, die sich auf eine Reise im Jahr 1833 gründet, wäre für mich als Leitfaden vom grössten Werth ge- wesen , ist mir aber erst später zu Gesicht gekommen. Mündlicbe Kuode davon hatte ich schon vorher, und der Gedanke, zu achmellers Arbeit das nothwendige Seitenstück zu liefern, war mir eine Auftnunterung. ' "*"*) Macugnaga nach der malländischen Aussprache. ♦^Mc) Der Tou Uegt auf ey und der Laut dieses Diphthongen ist ei, nicht ai. auszeichnet. Der kurzen Schilderung , die er von jenen einfachen , kraftvollen Menschen entwirft , ist bis jetzt nichts Aehnliches an die Seite getreten. Mit- Iheilungen iiber die Sprache dürfen wir von dem Genfer Naturforscher natüilich nicht erwarten. 2. Der Monte-Rosa. Topographische und naturhistorische Skizze von L. Freiherrn von Weiden. Wien 1824. Weiden ist der erste Deutsche, der über diese Gegenden aus eigner Anschauung (1822) schrieb. Der Hauptruhm seines Werks gebührt jedoch den beiden Gressoneyern Johann Nicolaus Vincent und Joseph Zumstein, die 1819 den Monte-Rosa zuerst bestiegen haben und deren Entdeckungen Weiden mittheilt. Er hat das Verdienst der Zusammenstellung und genauer An- gaben über die umgebenden Thäler. Zu den bereits bekannten vier Gemeinden brachte er Rima, doch nur mit halber Gewisheit. Das Silvische war ihm über- haupt ein « unverständliches Patois. » 3. Wanderungen in weniger besuchten Alpengegenden der Schweiz von Hirzel-Escher. Zürich 1829. — Die erste dieser beiden Wanderungen, im Sommer 1822, beabsichtigte die Umgehung des Monte-Rosa und H. berührte daher wie Saussure bloss Macugnaga, Alagna und Gressoney. Sein Auge scheint vor- züglich auf geognostische und bergmännische Verhältnisse gerichtet , der Sprache wird nur im Allgemeinen gedacht, was bei der sehr eiligen Durchreise fast nicht anders sein kann. Sie sei, heisst es S. ^6. 36., zwar deutsch, aber höchst ver- dorben und so sonderbar, dass man sie kaum für deutsch erkennen könne. 4. Das Thal von Rimella und seine deutschen Bewohner. Aufsatz im Ausland für 1836 Nr. 92 und 93. (Von Max. Schottky.) Eine Schilderung des Thals, nebst einzelnen Redensarten und Ausdrücken seiner Sprache in bunter Mischung. Beiläufig wird erwähnt, dass auch Issime deutsch sei ; so hatte sich also die Zahl der deutschen Gemeinden endlich auf sieben erhöht und nur die achte, Gabi, war mir noch unbekannt. Schottky ist nach den Aussagen der Einheimischen der erste Deutsche, der $ich vor mir um ihre Sprache näher bekümmerte und hat (183S) gleich mir alle acht Gemeinden bereist. Seine Aufzeichnungen sind im Allgemeinen treu, auf seine Urtheile aber ist nicht zu bauen : so schreibt er z. B. der Mundart von Issime atigelsächsischen Charakter zu , und sagt von der Rimellamundart , im Vergleich löit ihr sei das Nibelungendeutsch ein moderner Dialekt, ja, wenn man sie höre, sei man fast versucht , an das Wiederaufleben der Druiden zu denken. (S. 365.) Da mir der Raum hier enge gesteckt ist, so gebe ich von Geographischem nur was nöthig ist, um den Theil des italischen Bodens einzugrenzen, den "TTT^ der deutsche Baum beschattet ; lasse von Sprachproben so viel folgen , als die Rechtfertigung des Titels erfordert und widme einen grossen Theil des Raums einer geschichtlichen Frage , von der ich glaube , dass sie meinen meisten Lesern will- kommener sein werde , als eine Reihe fremdartiger Mundarten und eine trockne Auseinandersetzung grammatischer Verhältnisse. Eine Erklärung ist noch vonnöthen über einige geographische Benennungeir, die ich mehrfach angewendet habe: Üechtland bezeichnet die deutschen Ge- genden des Cantons Freiburg und den Westen und Südwesten des Gantons Bern: alles Land zwischen den Berner Alpen, der Aar, der Sane und den drei Seen am Jura (Seeland). Die Benennung silvisch ist von dem lateinischen Namen des Monte-Rosa, Mens Süvius'^), genommen und in Ermanglung eines andern gewählt» als Gesammtoame für die acht italisch-deutschen Gemeinden am Monte-Rosa. Le- pontisch gilt für alle die Mundarten, welche die südwestliche deutsche Schweiz (Üechtland und Wallis), einnehmen und zu deren Familie das Silvische gehört. Was an der Wahl auszusetzen ist, weiss ich wol; aber eine kurze Benennung war nöthig und da jede willkürlich geschaffen werden muss, so wird keine so glücklich sein, ganz tadelfrei auszugehn. Unter dem Namen aleman^ nisch endlich sind die Mundarten der übrigen Schweiz befasst. Vom südlichen und südöstlichen Fuss des Monte-Rosa laufen fünf Thäler aus, in deren obersten Theilen deutsch geredet wird : ich bezeichne sie nach ihren Flüssen, Lys (Lesa), Sesia, Sermenta, Mastalone und Anza (Vischp). Die Lys ent- springt aus einem von den gewaltigen Gletschern, die den Südfuss des Monte-Rosa bekleiden und strömt fast in gerader Richtung der Dora baltea zu, mit der sie sich nach zehnstündigem Laufe bei Pont de S. Martin vereinigt. Im Lysthale besizt das Deutsche mehr Gebiet als in einem der vier andern , denn es ist die eigentliche Sprache dreier Kirchspiele, nemlich der beiden Gressoney (Trinit^ und S. Jean) und Issimes. In einem vierten, Gabi, das mit Issime eine Gemeinde aus- macht und Issime von S. Jean trennt, hat es seine Herrschaft mit der welschen**) *) Ich habe diese Angabe aus Weldens Monte-Rosa Ü, 4; eine klassische Beweistelle dafür ist mir unbekannt; bei Plinius bieten wenigstens die Verzeichnisse keine dar. **') Ich nenne sie absichtUch nicht italienisch, weil hier die Grenze zwischen der savoyiscben und piemontesischen Mundart läuft. Jene ist mehr südflranzösisch, diese mehr italienisch ; wo jene herscht, ist das Französische ; wo diese herscht, das ItaUenische die Sprache der Schrift und der GebildeteB. i Landesmundart theilen müssen , indem nur drei Weiler (Gantone) des Kirchspiels deutsch reden. Die Sesia entspringt gleichfalls aus Gletschern des Monte-Rosa, durchströmt in Windungen zuerst ein Alpenthal gleich dem der Lys; tritt, wo sie sich nordöstlich wendet, ins milde Land der Reben und Kastanien, begrüsst unterhalb Varallo die oberitalische Ebene und vereinigt sich unterhalb Vercelli mit dem Po. Nach ihr heisst die ganze Provinz die Valsesia (provincia di Valsesia) ; das eigentliche Sesia- thal heisst Val di Sesia, oder Valsesia grande, zum Unterschied von dem Val Sesia piccolo (Sermentathal). Die Gemeinde, deren Gebiet sie in ihrem Laufe zuerst be- tritt, Allagna, Alagna oder Lagna, redet deutsch. Die Sermen ta und derMastalone entspringen nicht unmittelbar am Monte-Rosa, und nicht aus Gletschern und ewigem Schnee, sondern aus einem schneelosen Ge- birgsarm, der in östlicher Richtung vom Monte-Rosa ausläuft. Er s(;hickt mehrere Nebenarme nach Süden, und in den Gabeln, die dadurch entstehen, haben, die ge- nannten Fliisse ihre Quellen. Die Sermenta, deren Thal auch Kleinsesia (Val Sesia piccolo ) heisst , entsteht aus zwei kleineren Bächen : der östliche kommt von CarcofTaro, der westliche von Rima, und sie vereinigen sich bei Rimasco. Rima ist deutsch. Auch das Thal des -Mastalone spaltet sich zu oberst in ein westliches, das von Baranca , und ein östliches , das von Rimella ; Baranca ist italienisch, Rimella deutsch. So gewähren also Sesia , Sermenta und Mastalone zusammen nur drei deutsche Gemeinden (Alagna, Rima und Rimella), weniger als das einsige Lysthal. Die A n z a , an ihrer Quelle von den dortigen Deutschen Vischp genannt, quillt, wie die Lys lind Sesia aus den Monte-Rjc^sa-Gletschern , aber am östlichen Abhang dieses Riesen, und fliesst fast in gerader Richtung nach Osten dem Langen See*^) zu , den sie in einer von den schönsten Buchten der Welt , bei den borro- mäischen Ipseln, erreicht ; obwol nicht unter ihrem eigenen Namen, sondern unter dem der Tosa, mit der sie sich bei Vogogna vereinigt. Auch im Anzathal ist, wie in den drei vorhergenannten , nur die oberste Gemeinde , deren Markung an den Gletscher stösst, deutsch: Macugnaga. So sehen wir also den Monte-Rosa auf seiner Süd- und Ostseite ebenso wie auf der Nordseite von deutschem Sprachgebiet umschlossen und nur von Westen im Val Ghallant reicht eine savoyische (burgundische, provencalische) Mundart heran. Aber ursprünglich hat es sich auch damit anders verhalten ; auch der Levinzon, der nächste westliche Nachbar der Lys, hörte früher an seinen Quellen un^re Sprache; noch sind in der obersten der drei Rectorieen (Kaplaneien), *) So Iiaben die Schweizer den lago maggiore deutsch getauft. S. Jaques d'Äyas, viele Gemeindegüter deutsch benannt und der Strich von Ayas aufwärts gegen die Cime blanche (wißo gredjene) heisst Canton des Allemands, so dass der deutsche Ursprung auch dieser Bevölkerung ausser Zweifel ist , und der Monte-Rosa , wenn man sich nicht streng an die unmittelbare Gegenwart hält , als ein völlig deutscher Berg angesehen werden darf, denn im Westen trennt ihn vom Matterhorn (Mont-Cervin) eine nie betretene Eiswiiste und gegen Norden hat er den deutschen Walliser Zehnten Vifp. Mit Recht trüge daher der Berg auch in unsrer Literatur seinen einheimischen Namen Gornerhorn (Gaernerhorn) *). Es sind noch einige Punkte der penninisch-lepontischen Alpen zu nennen, wo das Deutsche gleichfalls über den Kamm des Gebirges greift, die ich aber wegen Zeitmangels nicht besucht habe : östlich vom Simplonpass liegen zwei Kirch- spiele, die zum Zehnten Brieg gehören: Simplen und Rüden (it. Gondo). Folgt man dem Thale in dem sie liegen^ so gelangt man in das der Tosa und findet auf deren rechtem Ufer , nahe bei der Bucht der borromäischen Inseln , die Gemeinde Ornavasco, wo einzelne alte Männer noch deutsch reden, während es der Geist- lichkeit gelungen ist bei dem jungen Geschlechte die Herrschaft des Italienischen zu begründen. Einst habe diese Gemeinde jeden Todten über den Simplen nach Glys zu Grabe bringen müssen, ja sie zahle noch Kirchensteuern dahin. Steigt man von Ornavasco thalaufwärts zu den Quellen der Tosa, so findet man da wieder die oberste Gemeinde Pommat (Formazza) deutsch, und ebenso die oberste des Östlichen Nebenthals, Bosco, die mit Pommat durch einen der bequemsten Pässe verbunden ist. Die Sprache von Pommat , also wol auch die von Bosco , ist nach dem Urtheil sachkundiger Freunde entschieden wallisisch; von Simplen und Rüden, die auch politisch zu Wallis gehören, versteht sich das ohnehin. *) Er wird in Macugnaga gebraucht , um die , ganze Strecke zu bezeichnen , die für den dortigen Beobachter zwischen der Signalkuppe und dem Fil^rhorn liegt (s. bei Weiden die erste Kupfertafel, wo zwischen dem weissen Thor und dem Jazhorn, Cima di Jazzi, die höchste Spitze Fililrhom heissen sollte). Der Name Gornerhorn ist ohne Zweifel auch im Matterthal gebräuchlich, wenigstens kennt man dort einen Goraersee und einen Gornergletscher. — Der Name Monterosa ist nicht aus der Aehnlichkeit mit einer weissen Rose zu erklären — denn wo fiele der gesunde Volkssinn auf solche Phanta- stereien ? — auch nic^t von seinem Rosenglanz im Morgenroth, — denn von einer solchen Eigenschaft könnte höchstens der moderne Lustreisende seine Benennungen schöpfen, — sondern von der gelbrothen Farbe des Gesteins, die an seinen Abhängeii zwischen den blendendweissei^ Schneefeldern auffallend hervortritt. Der ächte piempntesische Name ist auch gewiss nicht Monte-Rosa, sondern Montagna-rossa, wie ich in Alagna ein ungelehrtes Mädchen sagen hörte, oder Monte-rosso (rother Berg). iSpracli- Ich habe mir nach Stalders Vorgang die Parabel vom verlornen Sohn (Luc. XV.) in die Mundart jeder Gemeinde übersetzen lassen und es wären zum Behuf eines vollständigen Urtheils alle diese Proben hier mitgetheilt, wenn mir nicht der Raum geboten hätte eine Auswahl zu treffen. Da die Absicht dieser Blätter vornemlich ist nachzuweisen, dass die silvischen Deutschen mit den lepontischen nicht bloss in geographischem, sondern auch in geschichtlichem Zusammenhange stehn, so wähle ich aus den sieben Mundarten die von Gressoney, die S. Jean de Gressoney, Cüebersetxung aus dem Frantiösischenf durch Joseph Anton Zutnstein aus Chressoney^ Ingenieur,) 11. e ma heckhebed*) zwei buebe. 13. dr-jungfto hed dfim-atto gseid : (mtn) atto gemmer vanouwem^) gued was- mer kh^rd, un der-atto hemmo kaed3) was-mo kh^rd. ^^3 hat gehabt. Die Schweizer Mundarten geben diesem Hilfsverb theils & (ä) theils ei, das Dach dem Vokalismus der einzelnen Land- schaften entweder bleibt oder zu e, e, e wird. S. StalderDial. S. 123. Sind hier die Formen haben und heigan (elgan) gemischt? — ^) für onwerem d. i. eurem. Nirgends in diesen Thalern findet man das Possesiv der Iten und 8ten Person PI. mit er; so dass es aussieht, als wäre es aus dem Dat. oder Acc. gebildet, der inf CiO und ou heisst. Doch ist er wol nur weggefallen, wie man in Zürich hdrt: fiiBiid für enander. — ^) Gegeben. Das Silvisehe gibt einer grossen Zahl starker Par- ticipien die schwache Endung. Ueber k s. S- 70. Parabel Tom Macugiiaga. (Vehers€t%ung nach dem Französischen^ durch den blinden Caspar Verrat Wirth in Macugnaga.) 41. e man hed khan zwei chind. 12. ds-jungfta hed gseid fim vatter (atto) : mi vatter (min atto) gemmer was mir chund von ewer sach (van ewem güed) ; d^r vatter d61d-im ßs güed! proben« den silvischen Charakter am reinsten bewahrt zn haben scheint; und die von Macugnaga, welche, geographisch und dem Charakter nach, den Uebergang von den silvischen zu den wallisischen macht. Um die Vergleichung zu erleichtern, habe ich sodann eine wallisische Mundart, die von Raron und Leuk, und eine üechtländische , die von Grindelwald, orthographisch jenen beiden gleich gemacht und alle vier zusammen gestellt. irerlorneii Siolin« Raron im Wallis. CAus Stalders Dialektologie S, 344.3 41. es-ift emäl e man gsi und der het zw^ sin khä. 4S. und der jungre van dene het dum vatter gseid : vatter gimmer van tfum gCtotji sovil as-as mier arlidui) mag. Und do het der vafler 's güotji unner d-sin giteilot. '^D zukommen. Dafiahd. arlidan Ctrans- Ire, pati) hat neben der spätem Bedeutung (pati) noch die frühere (ire) die im Ags. lidhan und unserm leiten (gehn machen) erhalten ist. Grindelwald. CAus Stalders Dialektologie 8. 283.) 11. es ift en*) man gstn, d8r hM zwen sin kheben. 12. der-jingft seid zum atten: etti, gim- mer grad-eis mis bctteli virha2), wan3) mier kh^rd. ünd-er hed-ne-s teild. *) Die Berneroherländer betonen das en der Endsilben so stark, ^dass in alten und neuen Schriften enn geschrieben wird. Da aber schwerlich 2 n zu sprechen sind, habe ich diese Bezeichnung vorgezogen. — ^ grad- aufeinmal mein Bisschen heraus. 6 r a d, g a d ohne Umschweife eis CGenitiv) eines, einmal.' B e 1 1 e 1 i : Bettel, Kleinigkeit ^ y 1 r h a : herfur, das ahd. furi. Vielleicht vir he zu schreiben. — ^) wan Druckfehler für was? CChressonejf.) 15. etlichf tage dernäe dr-junger6 van dife chinne heck^chtO alls was-er » » ' j fcbebe, hed }in if-wit kanged un er-hed alls üsverlumpöd. 14. wi-ep alls verpuzt hed khebe, due ift in diz land en-grdßi hungersnöt khjeme^) du^ IT der ma in d'-enge khjemed. 15. due if-er zue-n-eme pur kanged u hed-fi due verdingdd, dßfe pur henne gshiccht d-fwi biete. 16. aber doe3) waeri der vr6 gs!, wemmo- mo bette kaed gnueg z^eße van dem wua-f *) d? fwine gaemS), aber nieme bemmo fi kae. 17. z'letTt nufdem daß-er Heb bsunne bed, bed-er dencebt: w^ vil bed min-atto ebneebt^, di m^ z'eße bein als-he kh^rd, on-ech moß bie va- bunger fte^ rbe, ^) hat genommen vgl. 18. — ^ ge- kommen, vom Inf. khjeme f. eherne. Adj. queman, chueman. — *3) d o e sonst due; beide, im Laute fast zusammenfallend, sind Demon- strativen der Zeit, das des Raumes heisst da, da. — ^) wua-f: wo sie d. i. was sie. — geben, gaem f. gcbm, gebn. CMacugnagaO 15. eis par tage derna der jungfto dere zweie cbinde hed alls zseme-gmacbt was-er kba hed, un if- kanged vil wit, wa-j-er hed vertan fi sach und verlumpud. 14. derna wi;-er bjed alls verta, dii if kbuen en-grucße hunger in dem land; und dii ift-er du kbuen in-en grueße mangcl 15. un dii if-er du kange un if-chnecht gsi z'em vo dem land , do bed-cr-ne g*sbiecbt in sls güed ver z-liite d-fwi. 16. er wier^) dii z-vridu gsi der-biueb z'vill^ mit dem wua d-fwin hend keße, man''^) nieme bemmo kie. 17. derna daß-^r hed dem na-gsinnud, hed-er gseid : wif vil sind bi mim vatter ebnechte, fi benn mie bruad, wan fi din^) manglo, und ich bin da vor z'fteerbe hunger. ^3 wäre. — ^aber, nur. Steht für wan ahd. wan, wane. M für w hat in diesem Wort auch das Niederdeutsche. V. 35 lautet es ma. 3) thun. Vgl. V. 31. 83. ClUiranO 13. na es-par-tagu ift dfr-jungre bodu- wit^) eweg-gigangu und het fin ganzi sach mitgnü : da het-^r es- woUüftigs lebu gvergod2) und alles verluodrot. ik. wa-fr duo nimm^ kha hed, ift grad duo cn-gr6ßi hungerfnöt antltannu und er-ift falt hungerf drüf-kangu. 15* duo het- s- nun 3) gl^rt, z-enfm bür gä und Hch-mu an^rbietuund dife bür het-nun gnü zum fwthirt. 16. da het-s-nu so khungrot, daß-^r geru hetti dun uberblib vanne fwtnu keßu, ab^r er het nit emal däschennutuo« 17« duo ift-s-mu z-si cho und er-hed gseid : o wettige schuppf tagwaner^) ift in mis yatterf hüs und dt heind alli z'Sßun gnuog und ich 5) muoß hie hungerf ft^rbu. ^) boden, als Verstärkung ; wie das ver- wandte Grund in grundehrlich. — S) vergu, fuhren; Fafctitiv von f a h r en, das alte varjan, veijan, vergan. — ^ hats ihn, ahd. hebit ez Inan. — ^) welchen Haufen Taglöhner: wettig (in Bunden wietig) was für einer; schuppe m. Menge (Bünden, Wallis); tag- wan^r m. Taglöhner, von tagwan, tagwe m. Tagwerk, (in dar. Kirchgemeinde}. — Die Dehnung dieses Pronomens, wenn es den Nachdruck hat, hört man in der Schweiz sehr h&nilg. Ebenso nid (nihil) gegenüber von n i d (non) k. B. Gri. 89. CGrk^dehvaldJ 13. der ^eid i-d-vremdi un h^d-s lle- dcrli dirhi-büzd ^), mit hiorenZ) und vreß^n. 14. u-dü chund en-shreccheltehi tirig über 's-ganz land un-er-hed 6 nis virigs3) kheb^n z-eß^n und hM-nen grisseli idiungr^d. 15. un aer ift kang^n un-hed-si an-en birger von dem land kheicht^) un- h^d-im d-siw Ithietet. 16. er h^d ö wellen grad -eis trebre vreßen un h^d-si nid chennen über- ch6n. 17. u-dü hed-er g'urdoüchet^): min etti hed esevel6) yü m angftelt, die gnueg z-^ßen hein un-t han ntd* ^) durchbin, hindurch. Schm. (Bw. 1, 393) führt durchi tae (durchthun) an , im Sinne von verthun, verprassen. — ^ io für ü e, und dieses in unorganischem Umlaut für uo^ ist eine durch- gehende Eigenheit der Mundart von Rimella z. B. tioch, chiölffo, briöder, üöcho (Tuch, kufe, Bruder, suchen). — ^) Auch nichts übrig. O in abstrakterem Sinne als gewdhn- lich^Virigs (statt vürigs, fürigs, in Zur. vorigs) eigentlich zurückgelegtes. Vgl. das ahd. fornic (alt,früher).— 4) gehenkt.— 5) geurtheilt, wörtlich ge-urdenket St. (Id. S, 424) fuhrt nur urdauen, als ein Wort des Berner Oberlandes an. nch wird zu ch s. $• 47. — ^) Soviel, vgl. S. 11 A.6. — Der Begriff viel steht doppelt, also das erstemal überflüssig, vgl. sevlich lang (Mao. 29.). 2 10 C€fre8SMiejfJ) iS. e-gein z-mlm atte on-jihe-moi) (min) atto, e-hen-do verzerned, on-hen gege got gsennogöd. 19. on e-be nemme wirdig, daß ier mecli vir ous chinn ang^ched, aber g^ched- mech vir ouwe chnecht. 20. eer hed-fe perd2) on-if zem-atte kanged, iin-der-atto henne va-witem gsehid on-hed ds-hierzwö khebed on il-mo engege kanged o-bönne um- aermöd. 24. on dfi-so bemmo gseid: (min) alto, e-hen-do bileidogöd, e hen ^Qge got gsennogdd, on-ben nemme wirdig, daß-er-mer «mis-chenn» sjeged. 22. due hed der -atto dune ebnechte gseid : bringed vir-fich3) d'shenfto chleider o-leckemo-fe a*): leckemo ne-ring a-de-vinger o-gemmo fhue a-d-vieß. *3 ahd. jiho-imu, von jehau sagen. — 2} erhoben. Der Inf. heisst bere» das ahd. per an. — ¥.18 lautet in der Mundart von Issime: un ich bürre mich un ich go ulder min atte. Die Tenuis in perd ist durch die Aphärese des g^ bewirkt vgl. §. 5a 3) vir-fich, für sich, vorwärts, her. -r. 4) für leckefe-mo-fe a, leget ihm sie an. CMacugnugaO 18. ich müeS tifta und ga-vinde mi vat^ ter und müeß sege: mi vatler, ich han gsündog6d wider de himil und wider ew. 19. und ich bin nid wirdig z'eiße *) ewe sun, di-mich än-sen wi ewro ein chnecht Z). 20. er-ift üy-gftande und dii ift-er ga- vinde fin vatter; wi - er ift noch wit gsi, fi vatter hed-ne 3) gsie und hed- fich fin erbarmed und ift glöfe wi- der ine, er hed-fich khid*) en-ltn hals und hed-ne gebunse^). ^ 21. und fin sun hemmu g'seid: mi vat- ter, ich han g'sündogod wider de himil und wider ew und ich bin nid wirdig, daß-mer ir diged sege ewe su. 22. und derna der-vatter jid fine chnechte : bringed enanderena der-hipft zig und und did-ne b'chl^de, legged-mo es- vingerli en-de-vinger und fhüe en- n-viß. zu heissen. — ^ thut mich an- sehen wie euren einen Knechtst. einen eurer Knechte. — Das r widerspricht der Regel, die zu Gr. 1» A. »aufgestellt wurde.— ^j^h a t ih n ahd.habet(hebit)inan.— *)geworfen. Das schwache Verb h e i e, g h e i f > das im Alem. Bair . CSta. %j 31, Schm. 8, 192) u. Schwab, vorkommt, bedeutet werfen, schlagen, quälen. Ahd» hi^n? heien? Notker 106, 38 hat ferheiet wären sie Cvexati sunt). — « geküsst. I. kjüft, AI. khist, Ri. kheft. Der Pfarre von Rima übersezte gärawallud, welches der väterliche Kuss sei ; k h e f d gelte » inter amatores.^' — Die andern lepon tischen Mundarten n CRaronJ 18. ich will hinnai) gk und amum zum vatter zamck und will-mu segu: vatter: i han gsindigot innu^) himol und ver dier. 19. i bin nimmn wert, daß d-mich vor di sü heigift, mach-mi nummu^) wie einu van dina tagwanerun. 20. und er het-si duo z'weg gmacht gegu heim, z^lim vatter. Wa-er noch va witum gsin ift, het-nu fh6n der vatter gs6 und het mitlidu gfpirt gegun inu und ift noch n&her^) imu ang^gunt glaufu und het-nu um- armot und gmundsinot. 21. der sü het duo imu gseit: vatter, i han gsindigot innu himol und ver- dier : i bin nimmu wert di sü z-heißu. 22. abfr der vatt^ het Unu chnechtun gseid: bringet r^z^) dun beftun aröcch^) har und bichleidet-nu und gaet-mu en aring a-Hnu hand und Ihuo a n vieß. ^) hier, ahd. hin an a. — ^ In den. Das nu ist mir zu erklären aus einer ahd. Form dena, denan, die aber nicht vorkommt Dag^en hat dasGoth. t h a n a, und das verwandte huer(wer3 hat ahd. huenan, neben huen. ^)nur, ohne Umstände St.Id.d. d45. Yer- mutUch aus niuwan (aichts als) wie nai- m^, neum^ aus ne weij w&, neijwä Grimm Gr. 3, 72. — ^) ^ für oe auch im Cim- brischen z. B. spete Cspät} Schm. 653. — rez, rez (in Freiburg und Wallis, sonst raeß) eiUg, dann scharf im eigentlichen und bildlichen Sinn.— 6) aröcch CBock). »Der CGrindelwaldO 18. i wil 6 grad-eis gani) gucken un zum etti seg^n : 8ttl, i-han gsindig^d im- hinunel u-vor-dier. 19. i-bi nu-verthin nid wert daß-i din sun heißi; gimmer o grad-eis ebbes z-warchen2). 20. er geit u chund zu sim etti u der- alt hed-nen fhön vo witem b'chend u-hed-nen st se-türed und het-nen umhalsöd u-gmuntlenet u-triccht^). 21. der sün seid zum etti: i han gsin- dig^d im himmel u-vor-dier: i-bi nu-verthin nid wert, daß-i din sün heißi. r 22. aber stnatt seid zun ^) stnen chnech- ten: bringid ds-virlagchleid u-legid- mu-s an, un en-vingerring an d-hand u gaet-im fhue az'lleg^n. 1) s. Anm. zu Rar. Y. 26. — ^ für wer- chen s, A. zu Gre. 29. Diese Verwand- lung des e ist auch in AI. u. R. sehr häufig z. B. aßf9 vald fiir eße, veld. — ^3 g^. drückt, geherzt. — ^3 zun Druckfehler für zuo? Oder nach ital. Weise Artikel vor dem Pronomen. 12 . Tifred hSr ds-vei&t chalb, t^ded-s un e&en-si) vr^lich zj8mf. S4. well-i^) mt-so t6d hen gmeind, on- ieze if-er amum erftann^d, f r-if ver- lorne 3) gsl, on-if amum gvunne; uf- däs heo-I keß^d on-tninged. 25. ab^r wie drtn eltft bu^b zun hüs khjem9d if , so hed-fr kh6rd singen on-pftfo. 96. due hed-er einem van dftne ehnecht^ gsbrdwed^) o-vrdg-nf , was das s!ge. 9J. deff jiemo^): dtn bru^der iT khjemf on der-atto hed ds-maf-chalb^ t6d, well-er gsunne epwunnen^) if. ^} mangeons-le! — ^ well-i: well leb. — 3) verlornen f. verlorner. Acc. statt Nonu wie im Alem. — ^3 geschrieen. Die Verwandlung des t in ti ist durch das nachfolgende w bewirkt; ü für u ist unor- ganisch. In Zürich ebenso, nurdiphthongisiert: gThrouwe, g^rouw^ (gereut). — für jihed-mo s. V. 18. — 6) maf- für maft- wie if, hef för ift, heft. — von er- winne, ahd. arwintan (Graflf 1, 749) zu- rückkehreoy verwandt unsrem wenden. CMacugnagaJ 23. und did-ouch bringf 's-veißt chalb und did-8 tied^, 24. veg9^) mtn su if-gst tuad und tz^ ift-er am üv-erftandei er ift jrst ver- luaren und tze ift-er widrum grunn^ ; vege deff hen difi mann^ avang^) eßf und trinkf . 25. ma der eltfto van denn^ zweif stn^ if gstn in den-aehrf un du wi-^r ift Jdiu^n z^m-hius, du hed-fr khifrd d-miusik un tanzo. 26. und dii gfhruw^^) §nfm cbnöcht^ und vragd, was das stg. 27. dör - da jimo : din bru^d^r if-khu^ und din vatter bed getif d das chalb das wifr hen gmeft, yegf-dafi-^r ift khuf n recht gsunde. haben hier gmundfnet (Gombs) gmund- ff nut CVispach) gmundsinet (Lötschen- thal) gmundsinot (Raren) gmündfen^t (SIgriswyl, Habkem, Siebenthal) gmund- f^net (Grindel wald) gfmuzl^t (Oberhaidi). ^) wegen im Sinlie von weil, dennoch V nicht wie w zu sprechen. — In AI. heisst diese Stelle: ve-wegen dif^ min fnn ift gfi tuüd. Es fehlt nach der Partikel etwa: dessen dass. Stünde veg^ vielleicht für v-weg^? — ^ angefangen. Bfittelding von Partie, u. Adverb. Alem. Schwab, a v a n ge, avae, ave, avenni, afedig.' (St.Id. 1,90.) ^) ayant appel^. 18 CBaramy 23. und reichft 's gmeftot chalb faar und mezgfts und lend-if ^) vrd st. 24. denn dife mt sü ift töd gstn und ift amum zum lebun khö, ift verlorn gstn und ift gvunnot ivordu. Und dema sind-f duo yr£li gst. 25. aber der eltrf sü ift uf-m veld gst und wa-er ava nöh^r zum hüs zuo- chon ift, het-£r kh6rt fpilun und tanzu. 26. und duo ift^r gän2) ^n^m ehneeht ariffu und het-nu gvregt, was das stgi. 27. diff het-mu gseid: din bruoder ift erwannu3) und dt vatter het 's- gmeftot cbalb la mezgu, wfl-er-nu gsund apium ubf rchö het. Barer schiebt jedem anlautendea r den ffir die Aussprache leichtesten Vokal vor: a (besser e zu schreiben) um hernach das r wie rr in seiner voUen Rauheit schnurren zu können, z. B. das ^rripp (die Rippe) u. s. w." (St. DiaL68.) Ganz fthaUches^Yöl (Ori.l7.) und das Schwab. es6 für so (s. SohmeUer Bw. 8, 188.) — *) lasset vns. — ^ Ver- mutlich Eins mit gang (s. A. zu Mac. SO.) und schwebend zwischen dem participiaien und adverbialen Begrili; wie avang (]lfiic.3d). ^) erwannu, wahrscheinUch Druckfehler für erwunnu. s. A. 7. zu S. 19, a. 23. bringid 's-gmeftet chalb, tifts grad* eis mezgen u-laet-is e&eni u-trthen un-is g'vrew^n. 2^. dann dise mtn sun ift yilr-lüerne gstn un-wider gvund^n, er ift tAd gstn un^wider löbige w6rdin. Ü-si- hein ag'vangin im-hein-si zemin g'vrewd. 25. der elter sun ift 6 hein-chön u- kh^rd das grag^l u-das baselier^n^) im hüs und das singen u-houwr^n^) u-juhei^n. 26. u-riffd enfmem ehneeht u-yregt- neu, was eiw-s^) kaen heigi. 27« der seid-mu-s : dtn bruoder ift hein- chdn« ^s-hM-^n&n'es^Tel g'vrewd, dafi-f r hed 's-vei£ chalb lan mezgen. ^) Das Lermen u. Schwelgen. St. 1, 469. 2y 23. — 2) Vermuthlich ist hoüwren zu lesen und das Wort ebenso von einer In- teijection (hoü) abgeleitet wie jubeln, ja- heie dhd jüz^, ahd. jüwian n. jüwizan (von jü). Im Berner Oberland heisst die Naditeule hanri u. hüri (St Id. 2, 27) und den Namen hoüri tr> ^ort ein G^penst, das bei einem bevorstehenden Berg- oder Schneestorz durch schauerliches Rufen warnt. — ^ Ich vermute in em das €k>th. mw ahd. eo, io (unser je) im Sinne von irgend, denn. 14 C6re$s(mejf.') 5B. ab^r Sfr if-y^rdrißigf khjSmed o- hgnni^) welli [ingjfr-khjdme^); der- atto if-fm ab^r f ngegf - kang^ d o hemmo gseid: nomm^ chim! S9. fr h§d dum att^ entchjedf d 3) : lu^ g, ^hen sf-vil yir dich gwerchod^) on- i-hen-di ni vf rzimfd on du-hef-mf r no kheis gizzi^) kae, memmine kha- m^adf mech z-vereinigo. 30. abf p wo deff zuf chind , wo-d'p din sach aUe y^rpuzt hhi, so lufft^) dll- nedw^f dd-maf-chalb t£df . 51. duf jif mo df r-atto : gang buf b , du bif ja mimmf r geng wie geng^) ; was mts ift, ir-dts. SS. abfr du seltift Tr6 st, o-vreid hae : din brufder if-gftdrbfd gsid, ifz^ if-^r amum lebenn^ ; eer if-verlorn^ gstd, ifz amum grundn^ . ^) hat Dickt — ^ hineinkommen. — ^y geantwortet Dm ahd. antqnedan, inchedan, wörtlich: entsprechen. GraiT 4, 644. — ^) alem. gwerchftd.i. gearbeitet ahd. w e r c h d n, zu unterscheiden v. w i r k j a n, wirken. — ^} allgemein schweizerisch für Zick- lein, wol aus gaißji (Geisslein) verknrzt Anch die Diminution durch l kommt vor : g i z 1 i. (Stalder Idiot 1, 449).-- «) für lAßift, Uft, litesest — jS^ng wie geng d. h. immer, geng oder geng (wörtlich: durchgehends) und die damit gebildeten Redensarten z. B. genjg wie geng (wie ehedem) geng in eim (immerfort) geng an^nander (immer- Ibrt) sind nach Stalder (Idiot. 1, 488) der Berner Mundart eigen. SoUten sie aber im Wallis fehlen, da das Silvische sie hat? CMacugnagaJ) 38. und dii d^r-ierlt sun ift ^rtoubed^) und dii hed-er nid welle tchuf und dii if khuen der-vatter z-em und henne gebettf und du jtd-r-f m : cbum, ich düen-di bett^ • 29. und er gid antwird ßm vatter : iz han-ich sevlichs) langgearwod^) vir dich ; ich-han nid ewe bevel ub^r- trett^ und ir hend mir no nid kae Ss-geissi, daß ich mege mich ^ rvrewf mit mtn^ glpäne. 30. ma deff sun, der hed alls vertan ß sach mit fwach^ Itte und ift nmme khue und dorn std-f r kangf da-veißt chalb gang 4) tifdf. 31. dfr vattfrji^mu: mts chind, du bift geng immim hius und alls was ich hau, ift dts. SS. ^-ift van-niftfS) z-macho f-vtrtag und-11 z-fpvrewf, vegf din bm^dfr ift gsin tuad und ift khufn widrum z-tf 6) ; fr- ift gstn varluf mf und ift widrum gvunnf . ^) zornig geworden; von toub, taub, (zornig, wild, toll, wahnsin- nig, gewaltthatig). Stid. 1,871. — ^) sevlich, abgeleitet aus soVil, das in der Bedeutung mit so zosammenf&Ut, wie im Ostlechischen sov'l, sev'l für so steht (SchmeUer Bw. 8, 183.)— 3) gearwod, (mich abgemüht) von arwe, arbf, g'aerbe, faerbfte (St 1,110.) — *) wörtlich: vous tes alle aller tuer. gang ist infiniti- vische Partikel: um zu, das mhd. gdn. — von Nothen.— ^) ff für inf und dieses für finf, unf. n CRaron.) S!8. uf das ift-er toub wordü und het nid wellun ingäi duo ifl d^r-valter üs- kangu und het-nu gibittot. 99. aber er bet dum vatter gseid: so mengs j4r han-icb dier gedienot und ban dtn bivelcb nit es-einzigs mal ubertrettu und doch heft-mer ni^ en- boccb kae, daß-i hetti chennu vr^ lieh si ndt minu yrinnon. 50. nadem aber dife sA zaruck khon ift, der Qs yermegu mit dene buore ganz y^rfwendot bet, beft-mu lan es- gmeftots cbalb flachtu« il. duo seit-mu der vatter: mi sA, du bilt ja b'f tendig bi-mier und alls was mis ift, ilt ouch dls. 33. ab^r es-bizji luftig z-st ift nötig gs!, wü diff din bruoder t6d gsin ift und iez amum-lebt; verlorn gsin ift und /ifz amum gvunnot wordun ift CGrinäelwäldJ) SB. n-wa-n - er das khörd hÄd, ift- er grisseli tiiübe w6rd&n un hed ze-^rft nid em-inhi^) in d-ftube weH^j bis dafi dr-att A&i kangfn-ift un-n^n petten-hM, er-sell ^m-inhi. 29. un er-hed zum atten gseid : gnckid, attu , es6vel mengs jär han-l-n-uch tiened und geng - 6n 2) braf gvolged ud-ier heit-mer no-nie nid kaen, nid es-man3) ön-ltacch^), da£-i mit- minen vrindto mich het ehennen g'vrewön. 30. iezän chund ewe andre sun, der sis virmegem mit hioren dirhi-puzd hM un-ier heid-im fs-veifits ehalb g^ezgöd. 31. dA seid dr-att grad-eis zuo-inu: min- sdn gfhow , du bift geng-dn bi mier un-alls was mis ift, ift dis 6. 32. du seltifdr-di öbbf g'vrewen un hops- Af S) sien , dann dise din bruoder ift grad-eis t6d gsien un-ift wid^r le- bige w6rd£n , er ift grad - eis vür- lüerne gsifn und if wider gvundne. » ^) em-inhi wleder-hineio. Vgl. am-um wieder-um. — ^ immer anf Eine Weise vgl. A.7. zu Gr. 81,— 3) auch nur. Man für mal? oder für wan? 8.Mac 16. A.2. — ^ unfruchtbar, daher als Subst Ziege die keine Milch gibt, oder HammeL Ohne Zweifel verwandt mit sticken d.i. gesteckt, versteckt sein. — sehr vergnügt Adverb, von hoppe Chüpfen). Auch gebrfinchlich für be- trunken. (St. Id. 9, 85.) 16 Crrammatischegu Auch hier habe ich mich auf das beschränkt, was zum Verständnis der auf- fallenden Orthographie erforderlich ist. Die einzelnen Gemeinden sind aufgeführt : Gr. (Gressoney) I. (Issime) AI. (Alagna) R. (Rima) Ri. (Rimella) Mac. (Macugnaga). Rar. (Raron) Gri. (Grindelwald). Zur Vergleichung ist einigemal das Aleman- nische (Alem.) und Gimbrische (Ci. s. S. 1.) genannt. I* Kurze unil tonnte ITol&ale« 1. Die Länge ist durch das Dächlein bezeichnet : d, ^ u. s. w. Die Kürze geht leer aus. 3. Ji (a)» klingt rein z. B. van (von) atto (Vater). So auch da, wo es unorganisch lang ist, z. B. tag, ä (an). 3. JLo (ä), der Mischlaut von a und o, zeigt sich bei allen ä z. B. fliiff, in AI. und R. selbst bei a, z. B. tag, was. U, A.A. (ä) hat, wie im Alem. und Schwab., den Laut a, nur neigt es sich in Mac« und weiter nördlich manchmal zur Kürze und klingt dann rein z. B. khan (gehabt) derna (danach). 5. ES (e), Umlaut von a, z. B. eltfte (ältester). Ueber e s. A. zu Gri. 11. S. 9. 6. ES (e), Nebenlaut von t, z. B. chenn (Kind). Dieser Uebergang ist jedoch sogar beim selben Wort und in der- selben Mundart nicht durchgreifend, z. B. v^rzirned, verzerned. (Gross. 29. 18.) Desgleichen ist der Unterschied von ä und e.ofi ganx zerfliessend. Unorganisch steht i für ei, (ai) z.B. zäm (Mac. 15) ömmer (Eimer, Ri.) 7. B:S: (^) z.B. gUrd (gelehrt). Un- organisch für oe: kh^rd (gehört) oder für ei: b'chl^de (bkleiden). 8. I (i) z.B. in if, ift (ist); wirdig (würdig). Zuweilen unorganisch für ü z. B. chind (kommt) U chund, eh und. Noch auffallender ist das i für ie in dt (Gr. Rar. 17); für üf in hitf (Mac. 15.), din d. i. thun (Mac. 17. 21. S3.). 9. 11 (t) das mhd. t z. B. gsi (ge* wesen) virtag (Feiertag). In der Anlehnung öfters unorganisch ver- kürzt: dfim-atto (seinem Vater) Gr. 12. Unorganisches i s. .$. 22. 10. O z. B. Gott, antword. Zuwei- len in ä streifend : märgf (Morgen). 11. OO (6) z. B. groß, n6t (Gr. 14.) Meist hat es jedoch gelitten: Ri. gibt den Umlaut: broed, toed. L Mac. zerlegen in einen Diphthon- gen: tuod, tuad; daher im Um- laut üe z.B. tüed^ (I.) oder (nach §. 17.) tiede (Mac). Eine ähnUche Zerlegung hat Adelboden im Bemer Oberland: (broad, t.oad) und das Ci. (proat, toat). 12. 11 (u) z.B. sunna (Sonne), riußil (Sclüüssel) Ri. 13. Uli (ü). das mhd. t^, z. B. hüs, pur (Haus, Bauer). Häufig unor- ganisch umlautend s. §. 21. O. IMplfttlioiiseii. ik. Fast durchweg deutsch betont, in- dem der erste Vokal überwiegt. Eine Ausnahme macht nur tö s. §. 51. ItJ. Al^ ei^ das mhd. ei, wechselt in den verschiedenen Mundarten zwi- schen ei, eij ai: g'seid, g'seid g'said (gesagt). Doch überwiegt ei, mit leisem Uebergang in ei, — Un- organisches ei s. §. 25. 10. All 9 OIJ (das mhd. ou) z. B. lau ff (laufen), toub (zornig). Un- organische Verkiirzung in ä zeigt der Bergname grab häpt (grau Haupt) Gr. 17. KB (ie) das mhd. le, z.B. chries'o (Kirsche). Oft unorganisch für ae, 4: Mac. 16. 17. und für üe: Gr. 15. daher auch für oe , weil dieses für üe: Mac. 25. So steht mies (Moos) für mües (s. §. 22)1; dieses für muas (s. §.21) und dieses für m6s (s. g. 11.) 18. m (iu) s. §. 26. 19. tJJL^ VE (ua, ue) das mhd. uo, z. B. due(da, vonderZeit) brueder (Bruder). Zuweilen für 6 : Mac. 14. 17. oder ä: Gr. 30. 20. Assimilierung des Diphthongen zum verwandten langen Vokal, nach Art des Nhd. » hat I. z. B. güd (Gut) 17 brüdej. Diss ist fast nothwendig, da uo in I. wie in Mac. für 6 gilt z. B. bruod (Brot) und ohne jene Assimilierung 2 ganz verschiedene Vokale zusammenfielen. Auf andre Weise entgeht dieser Gefahr Mac. (s. $, 31.) Die Assimilierung des uo haben auch einige der VII Commu- nen z. B. mütar (Mutter), III. Umlaute* 21. Sie treten gutentheils nach hochd. Regel ein, d. h. da wo nachfolgen- des i Ursache ist oder war; aber der Silvier macht sich auch kein Gewissen daraus, sie sonst anzuwen- den z. B. hius (Haas) und sie wer- den ihm ein Mittel, Misverständisse zu vermeiden (s. §. 20. vgl. m. §. 31.) Die Umlaute der ersten Art scheinen mehr etwas Ueberliefertes , die an- dern eine frische und zunehmende Eigenschaft des Silvlschen. 22. Von der Lautentstellung sind die Umlaute im Si. mehr betroffen als im Aleman. und ungefähr so wie in den nhd. Mundarten z. B. t^de (tödten), gsinnigot (gesündigt), Itt (Leute), vgl. auch §. 17 über ti^de u. s. w. und §. 31. 23. E (e) aus a, s. §. 5. 24. AE (aus ä) z. B. chaef, laer, (Käse, leer; ahd. chäsi, läri). Sodann für unorganisch-langes e z. B. ^2ie (gegeben). : 25. JEWJ (von au, ou) nur in Mac,, wo es ew lautet: ervrewe (erfrejien). 5 .1 18 Unorg. Uebergang in et z. B. vreid (Freude). 26. nr (das mhd. iu), hier nur als Umlaut von ü und Schreibart für langest/, z.B. liuto (läuten), hius, hiuf (Haus). Verwandlung in i s. §. 22. 27. ö (aus 0) z. B. wörtji (Wörtchen Ri.) häufig in c verwandelt : d ech t ro (Töchtern) Gr. 28. OE (aus 6) z. B. hoere, meist entstellt s. §§. 7. 47. 29. w (ü) aus u: gsünds (gesund) I. 30. t^ (ü, o) zwischen ö und ü stehend, ähnlich dem Franz. e in 1 e , c e ; ein Laut, der gewöhnlich nicht bezeich- net wird, aber im Niederdeutschen, Engl., Dan. und Schwed. vorkommt, (s. Rapp Phys. der Spr. 1, 25.) z. B. dii, diie (Mac. 14.) 31. -d:(üe)vonua,ue z.B. tuen (mhd. tuon) giied (Gut), diss besonders in Mac. Oft entstellt sich üe zu ie i. §. 17. In Ri. wird es zu 16 z.B. bri6ch (ahd. pruoch, Hodt) vgl. §. 14. IT. Tonlose Toluile* 32. Während das Nhd. sich hier mit e und e, das Alem. mit i und e be- gnügt, durchläuft das Silvische fast die ganze Leiter der einfachen Vokale. ää. A (ö) z. B. jungfta (jüngster) Ri. fpigal (Spiegel), I. und in Mac. im Diphthong ua, obwol hier so un- bestimmt, dass man fast ^ sezen dttrfie. 34. SS (e) entsprechend dem nhd. e in Güte z. B. chume (veniam). 35. E (e), der Laut, den zuerst Schmeller (Bair. Mundart. S. 25) der gehörigen Aufmerksamkeit gewürdigt und durch 9 bezeichnet, Rapp (Phys. der Spr. 1, 21) mit dem Namen Urlaut belegt hat. Er findet sich in allen euro- päischen Sprachen, nhd. z. B. in vater hoeret, besonders häufig in den deutschen Mundarten, wo er meist die Endsilbe en ersezt. 36. M (i) Wie im Alem. so auch im Silv. tritt tonloses t häufig an die Stelle eines nhd. e z. B. lütri (Helle) AI. Es hat aber noch weitere Aus- dehnung: himil (Himmel). 37. O und lT(o, u) sind, wie auch im Wallis, sehr häufig in tonlosen End- silben: atto (Vater), t an zo (tanzen), wemmo-mo (wenn man ihm), hen- do (habe dich), gsinnud (gesün- digt, gesihnet), verlumpud (ver- lumpt), k a n gu d (gegangen), z'v r i du (zufriden). Der Laut dieser o und u ist so entschieden, dass wenigstens ö nicht selten lang erscheint s. Gr. 13. 15. Am meisten solcher End- silben haben R., Ri., L, die isolier- testen Gemeinden; ganz ^tbehrt ihrer keine , wie auch k«ine walli- sische. 38. Gänzliches Verstummen der Vokale köiümt iiii Silvischen uiig^fllhr unter denselben Umständen wie im Alem. vor: b'sünne (besonnen), g*ftande (gßst^nden), saoh* (Sache), mtm f. mtüfin, minemu. 39. Wo die Natur des Wurzelanlauts nicht erlaubt, die Vorsilbe ge yokal- los zu sprechen, verschmilzt dieselbe mit dem Wurzellaut und macht ihn härter z.B. pur (Bauer), fürg'bür, p e r d (s. Gr. 20.) k a e (gegeben) für g'gae. 40. Tonlosigkeit und Verstummen be- trifft die Vokale einmal in Vor- und Endsilben: verpuzt, g'said, atto, att'; sodann in angelehnten Wör- tern (encliticis) vor und nach einer Hauptsilbe: der-atto, dr-atto, zu^-n-^me (zu ihm), said-mu, (sagt-ihme). iL Anlehnung ist durch den Gedanken- strich bezeichnet, ausser in den Fällen, 'WO sie Assimilation bewirkt hat: hemmo f. hed-mo, hec- khebfd f. hed-khebfd. IT« lilquide CoiMOiiaiiteii« 42. R (r) verwandelt nicht selten den vorangehenden einfachen Vokal in einen Diphthongen : ä f r, b i f r g oder befrg, hierz (er, Berg, Herz) umäermöd (umarmt). Aehnlich das Cimbrische z.B. iar für ir (ihr). 43. Von einer verwandten Wirkung, die im Alem. das r in Begleitung eines festen Lautes fast immer hat (fwärz, wört, ehürz) zeigt das Süvische nur schwache Spuren s. Gr. 32. 44. li (1) nimmt, w.enn es vor t steht, ein j an, z.B. Iji^ cht (Licht), Ijt^ (Flussname), Ijizil (wenig). Genau die Aussprache des gequetschten italienischen gl z. B. in gli und des franz. l mou 1116, nur dass jenes bloss selten, dieses gar nie im Anlaut erscheint. Näher steht insofern das spanische ^/, geschrieben II z. B. llano (planus), Uamar (clamare), s. Diez Gramm, d. rom. Spr.1,209. 211. 45. nr (n) ist wie im Alem. häufig apo- kopiert, oline aber wie im Schwab, dem Vokal ciuen Nasallaut zurück- zulassen, z. B. mä (Mann), su, sü (Sohn), gsi (gewesen). 46. Ziemlich allgemein gilt die Regel, dass bei nachfolgendem Vokal das n bleibt, ja es tritt in solchen Fällen selbst unorganisch ein: zue-n-eme (zu-ihme). 47. Vor ch assimiliert sich n gerne mit dem vorhergehenden Vokal und macht ihn lang oder diphthongisch: trichu (trinken), deich o (denken). S. auch Gri. iS. in. Spiranten« 48. H (h) in vollkommen deutscher Geltung, d. h. nie nach italienischer Weise von Aphärese betroffen: hed (hat), hüs (Haus). Im Inlaut ist es fast unhörbar : g' s e h i d (gesehen) . 49. JF (j), ebenfalls nach deutscher Weise z. B. jungro (jüngrer), ja (ja). Unorganisch drängt es sich nach l ein (s. §. 44) und vor e: sjegf (sagen), khjemf (kommen ahd. queman), ent-chjed9 (ant- m Worten ahd. antquedan), zjeme (zusammen 1). 80. Wie n, doch seltner, dient auch / zur Vermeidung des Hiatus : Mac. 13. 81. s (f, s). Zwei Zeichen, verschiedene Aussprache andeutend : s ist das allbekannte reine, scharfe z. B. in sach (Sache), hüs (Haus, fist breit, fast wie unser seh z. B. fach, hüf sprich: schach, husch. 82. Bei einigen silvischen Mundarten, z. B. in R. und Ri. , ist f weit die vorherrschende Aussprache. Das Lys- thal, AI. und Mac. beschränken sie ; ganz frei ist keine davon , ebenso wenig eine wallisische, wogegen die üechtländischen gleich dem Alem. und Schwab, den Laut f auf die Fälle beschränken, wo der Spirant an- in- oder auslautend mit einem andern . Consonanten - gepaart ist : ftei, fafte, laft. 53. Das Ci. hat für diesen Spiranten auch meistens die breite Aussprache (Schm. 664), überhaupt herscht sie fast in ganz Oberitalien. Nach Rapp (Phys. der Spr. 1, 68) wäre sie im Ahd. die allgemeine für s gewesen, und die scharfe Aussprache des mo- dernen s hätte sich erst dadurch entwickelt, dass dem s ein seh, aus sk entstanden, gegenübertrat. 54. ÜT (w) klingt meistens wie im ^) Nach ch haben dieses j auch Simmenthal und Fruügen z. B. i-chiumc Och komme) 8. St. Dial. 63. Deutschen , dagegen sprechen es I. , R. und Ri. fast durchgehends wie II z. B. uaßer, uit u. s. w. und diss mag zu einer Vergleichung mit dem Angelsächsischen (s. S. 2, 4) Anlass gegeben haben. Die Ver- wandlung des w in u wird den ge- nannten Mundarten dadurch gebo- ten, dass ihr v auf italienische Weise zu w geworden ist z. B. wirft ei (Feuerstein), weldfpigal (Feldspie- gel, Fernrohr). 55. Dieses w ist jedoch nicht ganz so wehend wie das unsre , sondern fester, indem es den Laut v noch in etwas hören lässt, fast wie vw. Im Ci. ist diese Romänisierung des v durchgreifend, dagegen haben sich die obersten silvischen Gemeinden Gr., AI., Mac. davor bewahrt. Tu» Feste Coniioiftaiftteii (mutac). liippenlaute. 56. B (b), fast immer mit weichem Laute , entspricht dem nhd. z. B. brunno (Brunn), birccho (Birke). b für w wie in unsrem Wittib s. §. 16. 57. "P (p), (nicht unsres in Panzer u. s. w. das p'h lautet, sondern dasjenige, das wir für b sprechen) erscheint sehr selten z. B. luftparkeit. AI. 58. Einigemal ist es aus b durch Aphä- rese von ge entstanden s. §. 39. 59. V (f) in den Fällen wo die Sprachen der zweiten Lautstufe (Gothisch, Niederdeutsch u. s. w.) p haben; in- und auslautend: fläfe, fhaff9. AnTailtend in: fanno (Pftüine), f af f (Pfaffte) Ri. Vgl. jedoch §. 77. 60. V (v) da wo die genannten Sprachen /* haben, z. B. vatter, voll, van, vr6,wömve(fünf),zwailve (zwölf). 61. Die Verwandlung des vin w s. §. 54. Vor Vokalen tritt sie selbst in solchen Mundarten zuweilen ein, die im üebrigen den Laut des v rein er- halten haben, z. B. iuwerftande (Mac.) * Zungenlaute. 62. Das Verhältnis des weichen (d) zum harten (t) ist fast wie bei den Lip- penlauten s. §. 56 — 58. 63. Doch erscheint t hier öfter als dortp z.B. triebe (trinken), atto (Vater). 64. Auffallend, aber überhaupt dem Schweizerdeutschen eigen, und viel- leicht Folge der romanischen Nach- barschaft, ist das häufige Vorkom- men des weichen Lautes, zumal am Schlüsse : h e d (hat), g' s a i d (gesagt) u. s. w. 65. Die Anlehnung veranlasst häufig den Ausfall des d oder t: gemm^r (gebt mir), jihc-mo (Gr. 18). 66. Dagegen tritt d (oder t) als unor- ganischer Anlaut einigemal vor f, z. B. dfi (suus) L Eine Eigenheit aller Schweizermundarten, besonders aber der südwestlichen, ist das t vor f h, z. B. tfhedre (schnarren), schwä- bisch: fhettre; tfhapp'l für fhappel (Kranz). Im Silvischen kenne ich nur drei solche Anlaute: 31 trhocke(Fels),tfhapter(Schü8ter), tfhenka (Zweig). 67. Der aspirierte Laut (K) nimmt dieselbe Stelle ein wie im Deutschen. 68. Desgleichen sein Nebenlaut ß, der den weichen Laut unsers s hat und sich von dem silvischen s, wo es (nach§. 55) aus r entstanden ist, nicht nnter- scheidet. Daher in R. unorganisch auch fi manchmal zu f wird z. B. wir (was). 69. Eine merkwürdige Spur der organi^ sehen Aspirata (th) ist im Orts- namen Edelboden (Gr.), der fast Es'l- bode lautet. Er kann nicht vomThiere genommen sein, da dieses efel heisst; s steht also hier für den Laut thy den das Englische bewahrt hat. Wird Adelboden im Bemer Oberland vielleicht ähnlich ausgesprochen? Kehllaute. 70. Das Verhältnis des weichen (g) zum harten (k) ist ganz wie bei den Lippenlauten (s. §. 56 — 58): der harte erscheint nur für verdichtetes g z. B. kae f. g'gae (gegeben) vgL §. 39. 71. Die erste Aspirate eb tritt zwar überall ein , wo die bekannte alem*. z. B. chamro, chgrzo (Rammer, Kerze) chraft, chleid u. s. w., hat aber nie den berühmten schwei- zerischen Krachlaut, sondern klingt wie in den deutschen Mundarten. Im Üebrigen ist sie bald guttural : lache (lachen), bald dental: chinn n ckSrzo, chleid a. s. w. Diss -die hervorstechendste Eigeuheit der lepontischen Mundariea gegenüber den alemannischen. Die Weichheit des eh ist so entschieden, dass es einigemal selbst in g und h über- geht: etligi (etliche) I. ^liho (Ehe, ahd, eolicbi) Bi. 79. Die zweite Aspirate Ul (mit dem Laute ^ den k im deutschen kauf, köpf hat), tritt nur in den seltenen Fällen ein, wo im Anlaut durch Zu*- sammentreffen von g mit h oder ch eine eigenthümliche Verbindung ent- steht: khoerd (gehört), khleided (gekleidet). In khjemf (kommen) ist durch eintretendes / das eh zu beschwerlieh geworden und kh an seine Stelle getreten. im. Doppelconsonantenu 73. Unsr (i\n) ist wider die Regel , die S. 7, b. A. i angenommen wurde, einigemal auslautend geschridien : chinn, unn; der DeuÜiebkeit zu liebe. 7#. nd (nd), assimiliert sich meist zu nn z. 6. üverftanne, chinn, unn. 7S. Zum Ersätze tritt da&n manchmal nd für n auf z. B. dindfru(tuorum), z-£ind (zu sein) AI. Ebenso das Ci. maindar u* s. w. für mainar. Vgl. auch unser minder und das lat minor. 76. SM, (fb) (das ahd. sk, mhd. seh) lautet bei ungenaiieia Hörep wie unser seh; bei genmem yenrimmt man f und davon getr<3nn( ein cA, das kaum von h zu unterscheiden ist. Diese Aussprfiche entspricht besser als die unsre der Entstehung des 8ch ; denn der Laut, den dasselbe hat , ist wol weniger aus der Ver- schmelzung des 8 mit ch zitx er- klären, als aus dem Laute des f, der bei uns den des ch ganz verschlun- gen, im Silvischen aber nur zu h 'ge- macht hat. Lezteres hat sich viel- leicht in dem Stadium der mhd. Aussprache eriialjten. 77. W (pf), z. ß. trepfo (Traufe) Ri. chgpf erft m. (Gibel) Rl. pfifo Mae. Im Ganzen weit seltner als im Alem., namentlich anlautend meist durch f ve'rtreten s. $. 89. 78. CK (ck), z. B. lecko (legen), brücke (Brücke). Die Schweizer schreiben hier leggen, brugg; nicht weil sie gg statt ck sprächen, sondern weil ck ihnen für das un- gebräuchliche cch gilt. 79. CCH (cch), z. B. rhieeh^, gTiceht. Wie das Lepont. und Alem.^ consequenter als das Ober- deutsche, aus dem goth. k durch- weg ch gemaebt habe« , so .aus ck durchweg eck. Für seine Aussprache giU die Regel §.71. I I I I > m^^-y^. 23 C^eschlehtliche Betraehtmifreii« Obwol die Annahme eines engen Zusammenhangs aller lepontischen Deutschen und ihrer Stammesverschiedenheit von den alemannischen vielleicht noch kräftiger gerechtfertigt werden sollte, als im Bisherigen geschehen ist, muss ich doch um des kurzgemessenen Raumes willen schon hier zum historischen Theil dieser Ab- handlung übergehen, der freilich nur dann einen Sinn hat, wenn jene Annahn»e begründet ist; thue es aber umso unbedenklicher, da die Geschichte selbst wieder manchen Beweis für jene Annahme liefern wird. -— Ganz genau lässt sich keine Mundart gegen die andre abgrenzen : halten wir uns an die Merkmale, die gj. 31. SS. 71 angegeben sind, so erstreckt sich der lepontische Stamm aus Oberwallis südwärts nach Piemont, ostwärts (über Urseren?) in einzelne Thäler Bündens, nordwärts ins Berncr Oberland,« vielleicht auch nach Obwalden und in einige deutsche Landschaften von Freiburg. Seine Grenzen sind im Westen: bis zu den penninischen Alpen burgundische Romanen (Waat, Niederwallis), von da südwärts lombardische, jezt savoyische (Val d'Aoste); im Norden: Alemannen (Lucern, Entlebuch, Bemer Unterland, Freiburg); im Osten: zuerst wieder Alemannen (Nid- walden, Uri bis zur Teufelsbrücke), dann auf eine kleine Strecke Ghurwalchen (Vor- derrhein), zuletzt lombardische Romanen (Tessin, Piemont). Nach Süden läuft er in einen Keil aus , dessen lezter Punkt läsime ist* •*- Billig erhebt man die Frage : welchem deutschen Volksstamm ist es gelungen , hier , unter dem Schuz rauher Gebirge , seine angeborene Sprache mitten zwischen romanischen Stämmen treu zu bewahren? Die Geschichte, soweit sie durch Urkunden spricht, gibt auf diese Frage keine Antwort und so ist der Vermutung ein weites Feld geöffiiet. Doch zeigt sich auch dem flüchtigsten Blicke , dass dasselbe über die Grenzen der Völkerwanderung nicht hinausgreifen darf, denn auf den Verhältnissen, die diese geschaffen hat , ruht das ganze jezige Völkerleben Europas » handle es sich um politische oder um Sprachgrenzen. Mustern wir nun die Reihe germanischer Völker, die die Geschichte mit den penninischen Alpen in längere Verbindtmg gebracht hat , so begegnen uns da vom Süden her Clmbern , Ostgothen und Langobarden ; vom Norden her Burgimden, Alemannen und Franken. Von leU^tern kann freilich hier nicht die Rede sein : sie sind zwar allenthalben die Herscher gewesen , aber sie Hessen den unterworfenen Völkern , Aleinannen , Burgunden i Langobarden den Boden , die Gesetze , den Namen , ja manchmal eigene Fürsten , so dass atil eine fränkische Einwandenmg Niemand rathen wird. 3 I, 677) Basel zu, das 870 wieder an Ludwig den Deutschen gekommen war. Für die Annahme, dass er auch weiter südlich auf dieser Grenze kriegerische Thätigkeit entwickelt habe, lässt sich vielleicht die Sage anführen , dass Strättlingen und das Bemer Oberland Benennnng der Laadschafl ÜeehOand fSefrt^ hier jedoch «nventanden «nd seit Image ein Stein des Anstosses lOr die Blymologe^ Die moderalateinische Benenmng Nuithonia liefert keinen Binwand , denn der Anlaut N ist unorganischer Anflug wie im altgerma- nischen Volksnamen Nnithones für Jnthenes, Jnthae, Jnthangi (s.£5eussl46) und im sehwähiafshett Nast für Ast. S3 scdnlieblingsauf enthalt gewesen; ferncor die Stiftung der Kirche yon Strättlingen und die Erbauung des Thurms zu Spiez, die beide von ihm herrühren. Die Ver^- suche zur Erweiterung der östlichen Grenzen sezte sein Sohn^ Rudolf IL (942—957) mit Erfolg fort : zwar unterlag er im Kampf um den Aargau dem ersten alemau" nischen Herzog, Burkhard, der ihn 947 bei Kyburg schlug; aber 929 erreichte er doch seinen Zweck, indem ihn Heinrich I. mit einem Theil Alemanniens (dem Aargau bis zur Reus) belehnte, den Landschaften, wofür ursprünglich der Name Kleinburgund (Burgundella) galt. Die Grenze von 929 erhielt sich fast 300 Jahre lang , d. h. nicht bloss so lang Burgund selbständig war , sondern auch nach seiner Vereinigung mit Deutschland , wo es seit iOS7 unter eignen Herzogen, meist zähringischen Stammes, stund. Mit dem Tode des lezten Zähringers aber zerfiel alles Alte und es begannen sich neue Massen zu bilden , die noch weniger als bisher geschehen war auf die alten Unterschiede zweier Völker Rücksicht nahmen« Als Grenze Burgunds in der rudolfisch - zähringischen Zeit kann im Allgemeinen die Reus gelten; wenn auch das Land weiter östlich zuweilen Burgund heisst (s. S. 84), so riihrt di$s daher, dass es gleichfalls unter den Zähringern stundi freilich nicht als burgundisches, sondern als schwäbisches Lehen. Bestimmter zählt noch 42SS eine Urkunde bei Herrgott (395) Glattfelden zu Burgund, Eglisau zu Alamannien. So hatte sich also der Gedanke , den 806 Karl d. Gr. auszuführen beschloss, im zehnten und eilften Jahrhundert Verwirklicht« 2. Die französich-deutsche Sprachscheide folgt im Allgemeinen dem Lauf der mittleren Aar und der Sane. Sie steigt westlich von Solothurn über den Jura herab^ geht dem Bieler See^ der Thiele und Broye nach, lässt zu ihrer Linken Murten , die östliche Hälfte der Stadt Freiburg , Bürglen , Giffers , Plasselb , Jaun^ Ablentschen, Sanen, trifft von da mit der Grenze zwischen Bern und Wallis zusammen^ durchschneidet leztres in der Gegend von Siders , so dass das Lenker -, das Tnrt-» mann- und das Matter-Thal die westlichsten deutschen sind, und hat ihre Fortsezung an der Rothhomkette, die das Lysthal vom Yal Challant trennt. Auf dem grössern Theile dieses Wegs ist die Sprachscheide gar nicht auf natürlichen Verhältnissen begründet , daher muss eine geschichtliche Ursache für sie gesucht werden. Sie läuft in der Hauptsache gleich mit der Grenze , die das Reich Ludwigs des Deut- schen durch die Verträge von Verdün, Meröen und Trient (843. 87Ö. 872) erhielt. Jene Zeit ist, wie der Schwur von Verdun beweist, für die Scheidung der romani- schen und deutschen Volkssprache von Wichtigkeit , damals begannen diese Ver- hältnisse Festigkeit Zugewinnen, und derSchluss, dass da tro noch deutsch geredet wird , Ludwigs und seiner Nachfolger Scepter gewaltet habe , ist wol zu wagen. Die Grenze von Alamannien und Burgund wäre also damals nicht ganz durch die 5 kup tf^'f^lt^i t^m^ntm, %fmJ^fn im MMm iwn^ rff« Hm^. Ab dMm RaMT L u« ll. «If« l/l# Kfiir NililfMi KftJnli. VOv Holitif HtigrciiRnng wurde xnnlichst die Versebie- iImmIioII diM MiiiHliHliMt liitrholgrMognri , ahrr mich nndrc Merkmale bieten steh diH' • Wiiiju tinil tio^li>lilMiP!h|(n, Klctdi^rlrflcht, Itiumrl der lü^nner, alte Gebriuebe, H\\M\s, MIIHMI, VitlKnrtMthh«. Auf dlimi» Onindlagen wirftt'lMMi. Mne gant giMiane <«r«^nabcstimmiing ist Tiellclcht nnmOglicii, dl»^ nm^\\\^ «i^llml nhi^r sli^hl h%\. \p\k t\\ht^ dafür nur KIn Zeugnis an: Sehnhheias iMdvti'h >\\^ MUllliOM %^$\ \\\ t'iMtnn I^M^ mn IHM (abgedruckt in Wirseaa IM^^v^HaUwn df *^^»MMf^i ÄHf^NMitm tu HtlitH^^m 4M9mHn. Vfmimf I8!l7>: «vieles \\\\\\\ TSwf \\W \ \^vwuUu\g, dl^w dH^ Ko>s^iHsr v«« ttvnrka:^ ObwaUle«, l rserea ^Mh^^üiVM«^!^ V^V^nt«^^ ^mUmt nK'h \ikMr>sa«htl hihI vtMft anilerMr Herk«nA ^Im als (^^v^ ^ ^ a^div «^«^h^Kmh ^Kmt Soli%t4t b^>SMitrrt Kak««.» Flr elM ^'ilV^^N^KON HM^ wK «VM^ iMict^ Mit .\\ii4Mliiaipm k^ >^^ in ^^ t^^ %^ii«mi 4ai Vn-. vfsN*e*^»s^^ \ vy^HN* s >KV«(li «N^iT iMhr ^nÄ iWMaat^N ^Hr ^w ^♦r» «* fc*r 85 Mundarten betrifft, so rind die Hanptanterscliiede oben berübn irorden, sie weiter xn verfolgen ist hier nieht der Ort ; denn wenn sldi bei nalieTerwandten Mundarten schon die hervorragenden Unterschiede mehr nur dem Ohre und einem dunkeln Bewnstsein, als dem kritischen Blicke kund geben, so wird die Bestimmung ihrer Grenzen , um die es hier zu thun w&re , wenn sie nicht ganz unmöglich ist, doch nur einem solchen gelingen , der ISngere Zeit da gelebt hat , wo sie zusam- menstossen. Von der mutmasslichen lepontisch- alemannischen Grenze war S. S3 die Rede. — Eine andre sehr merkwürdige und zugleich scharf gezogene ist die, wovon im Schweiz. Gesch. Fo. IV, 8^ Dr. Stadiin Nachricht gibt Sie folgt nngefShr dem Laufe der Reus und scheidet zwei Volksstämme nach Bauart, Sitte, Tracht, so streng, dass es beim Ueberschreiten der Grenze auch dem Unbefangenen ftufßllt. Sladlin zieht sie genauer von der Grimsel bis Kloten bei Zürich : die I^ndschaflen und Orte die ihr im Westen zun&chst liegen, sind : Oberhasle« Entle- buch, Lucem, Buonas, Cham, Knonau, Rifferswyl, Bonstetten, Birmensdorf, Kloster Fahr, Rümlang. Kloten war früher durch die Linie in zwei Hälften getheilt. Ohne Zweifel ist in dieser Linie die Grenze von 929 wieder gefanden. Zwar könnte man für eine andre Annahme , dass nemlich schon die alten Burgunden so weit (östlich gedrungen seien , die Unterschrift des Bischofs von Vindonissa auf dem Concil von Epaona anfuhren; aber gewichtige Gründe dagegen sind oben angeführt worden , zu ' ihnen gesellt sieh die Mundart , die in diesem ganzen Strich entschieden alemannisch ist. Mithin bleibt nur die Annahme übrig, dass unter dem Einflnss der burgundischen Herrschaft die' Alamannen bis zur Reus Vieles vom burgundischen Wesen angenommen haben ; ihre Sprache freilich be- hielten sie , theils weil damals die romanisch - deutsche Grenze schon feststund, theils weil unter den deutschen Herzogen Burgunds von den Häusern Rheinfefden (I(fö7-- 1093) und ZShringen (4095—1218) kein Grund war sie aufzugeben. Eine genauere Untersuchung über jene Unterschiede fände hier nicht Plaz, ich bemerke nur, dass die Tracht, wie sie Stadiin ffir die Landschaften westlich der Reus schildert, im Allgemeinen auch die Ist, welche sich durchs Berner Oberiand und "Wallis in die silvischen Gemeinden hinabzieht , völlig verschieden von der weit einfacheren altalemahnischen im Osten der genannten Grenze. — Wenn so die westliche und östliche Schweiz in zwei Hälften gespalten sind, so zieht sich durch die erstre von Osten nach Westen eine zweite Linie« die das Bemer Oberland vom sogenannten landgerichtlichen Theil des Kantons Bern trennt« Die nördlichsten Orte des Oberlands sind Mejrringen , der Uferstrich von Brienz bis Stäffisbnrg bei Thun , Amsoldingen und Blumenstein. Weiter westlich hat die Linie im Norden zunächst Guggisbei^, Piafeien, Plasselb. Der Unterschied zeigt sich besonders 36 scharf an der Bauart der Häuser , die im Bemer Oberland , Wallis und Piemont dieselbe ist; ich vermute» dass bei genauer Nachforschung hier auch die Grenze zwischen der lepontischen und alemannischen Mundart auftauchte. 4. Die Grenzen der kirchlichen Sprengel. Das fränkische Reich hatte wie das römische die kirchliche Eintheilung mit der politischen in den ge* nauesten Einklang gebracht: Archidiakonat und Gau, Dekanat (Ruralcapitel) und Cent, meist auch Kirchhöre und Markung , entsprachen sich , und nicht selten er- scheinen die Grenzen der Bisthümer zugleich als Grenzen der Herzoglhümer. Die kirchliche Eintheilung ist uns für manche Sprengel genau überliefert und bei der Stätigkeit der römischen Kirche der Hauptsache nach gewis in ursprünglicher Gestalt. Die altalamannische Grenze ist dann bezeichnet durch die der Bisthümer Basel und Constanz , denn von leztrem wenigstens wissen wir bestimmt , dass es seine Grenzen um 650 erhielt, wo noch kein andrer Grund für dieselben wirksam sein konnte, als die burgundisch-alemannische Volksgrenze, und für Basel ist das- selbe wahrscheinlich. Demnach liefe die gesuchte Grenze vom Südende der Vo- gesen , der natürlichen Westgrenze des alamannischen Elsasses , herab gegen den Jura , eine Zeit lang auf diesem fort , bei Ölten ins Thal der Aar und dann auf deren rechtem Ufer bis zu ihrer Quelle, Die Grenze zwischen den beiden alaman- nischen Bisthümem zog von Ölten bis Waldshut die Aar, von da bis unter Breisach der Rhein ; Basel war durch den Jura , Constanz durch die Aar vom östlichsten burgundischen Bisthum Lausanne geschieden ; nach Süden stiess Constanz an das gleichfalls burgundische Sitten. Für die südwestliche Schweiz erscheint mithin im siebenten Jahrhundert die Aar als Grenze, mit Ausnahme des Striches, der auf dem rechten Ufer noch heute solothurnisch ist; im achten Jahrhundert, dem die Ein- theilung in Archidiakonatc angehört, scheint Burgund noch weiter herübergegri£fen zu haben, denn das westlichste constanzische Archidiakonat mit den drei Kapiteln Münsingen (s. S. 24), Aarberg -Büren und Wynau heisst das des transjuranischen Burgunds. Auf diese Art fällt für 770 der ganze Ufersaum der Aar von Wynau bis Tracht, und weiter aufwärts ganz Oberhasle zu Burgund. Vergleichen wir nun die gefundenen Angaben, so ergibt sich i. die politische Grenze zwischen Alamannien und Burgund war bis 888 (929) ungefähr durch die Aar bezeichnet, und rückte da erst zur Reus. 2. Die romanisch -deutsche Sprachscheide entspricht ungefähr der politischen Grenze des neunten Jahrhunderts, die von der des fünften nicht verschie- den war, ausgenommen vielleicht den Strich um die Sane. *7 3. Die Deutschen der südwestlichen Schweiz stehen in Folge historischer Ur- sachen nach Sprache, Sitte, Tracht u. s. w. als eigene Gruppe denen der nördlichen und nordöstlichen gegenüher: im Wallis und Berner Oberland ist ein andrer Schlag als zwischen Mittelaar, Rhein und Reus; und hier ein andrer als im Osten der Reus. 4. Die Sprengel von Basel und Gonstanz sind als alamannisch den burgundischen von Lausanne und Sitten entgegenzustellen. Sollte man nun nicht berechtigt sein, als alte Volksgrenze zwischen Alamannen und Burgunden die Aar anzusehen; die Deutschen längs der Aar, im deutschen Theil des Bisthums Lausanne und im transjuranischen Archidiakonat von Constanz, als Burgunden , die alemannischen Einfluss ; die zwischen Aar und Reus als Ale- mannen , die burgundischen Einfluss erfahren haben , und erst die im Osten der Reus als reine Alemannen; endlich die Deutschen am Monterosa, mit ihren Stammgenossen im Wallis und Üechtland, als reine Burgunden, die in verborgenen Alpenthälern ihre Sprache sowol vor dem Untergang durchs Ro- 4 manische als vor der Vermischung mit Alemannischem gerettet haben. Und wenn die Abhandlung jezt, statt zu enden, erst begänne, so würde sie unbedenklich den leeren Namen lepontisch gleich einem verbrauchten Werkzeuge bei Seite legen und den uralten, ehrenvollen der Burgunden an seine Stelle sezen. 1 DATE DUE , ' 1 STANFORD UNIVERSITY LIBRARII STANFORD, CAUFORNIA 94305